— ÜBERBUNT

Ich lege euch übrigens quote.fm ans Herz. Wenn ihr Sprache und Texte liebt, seid ihr dort genau richtig. In diesem Netzwerk kann man lesenswerte Texte anhand von Zitaten empfehlen. Richtig klasse. Mir kann man dort übrigens auch folgen.

Der oben per quote.fm-Link empfohlene Text ist übrigens großartig. Weil er so wahr ist. Weil Farbwahnsinn einfach ein Problem unserer Zeit ist. Damals, als ihr noch jung und ich noch nicht auf der Welt war, gab es genau so viele Farben, wie in einer Jolly-Buntstiftkasten Platz hatten. Problem dabei: Während die Technik alles kleiner werden lies, wurden die Jolly-Buntstiftkästen immer größer. Weil rot, grün, gelb und blau zum Ausmalen nicht mehr genug waren – und zum Anziehen schon gar nicht. Denn rote T-Shirts wurden irgendwann nicht mehr für schön befunden. (Zurecht.) Dann nannte man “Rot” mal kurz “Kupfer” und plötzlich: Trend. Aber sowas von. Must have.

Und, ganz ehrlich, auch wenn der Duden “Farbwahnsinn” mit einem männlichen Artikel versehen hat: Neee. Das ist euer Ding, liebe Frauen. Ein Mann kennt nämlich nur zwei Farben: Rot und Grün. Das, was auf der Ampel in der Mitte steht, muss ja auch bei aller Liebe wirklich kein Mensch wissen. Aber Frauen. Beim Einkaufen. Frage nicht. Nur in Kaufhäusern kann es zu diesem Farbschnickschnack kommen. Die Damenabteilung, der Schoß der Farbvermehrung. Rosa ist nicht mehr nur rosa, denn wenn Rosa eine Liaison mit Grau beginnt, lächelt dir plötzlich Altrosa entgegen, während Koralle und Flieder eifersüchtig zugucken. Und spätestens dann fragst du dich, wie oft du dir mit deinem Jolly-Buntstiftkasten auf den Kopf schlagen musst, um daran zu verenden. Und kurz denkst du daran, dass man dann auf deinem Grabstein (in Pastelltönen) den romantischen Satz “Er starb zwischen Flieder und Koralle” lesen wird können. Aus der Ferne hinter der Umkleidekabinentür hörst du aber deine Liebste rufen: “Dir stehen die heurigen Modefarben – ganz besonders Kiwi und Ananas!” (Mahlzeit!).

Was ich an diesem Einkaufstag kaufte: Ein T-Shirt. Schwarz. Ausschließlich schwarz. Nennt es “Statement”. Fuck the system.

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Blogger sind Leidenschaftsmenschen. Viele Stunden der eigenen Freizeit schreibend zu verbringen, zeugt von einer Leidenschaft, die uns verbindet und vernetzt. Und deswegen diese Blogparade: Sie soll die Bloggerinnen und Blogger durch die Unterschiedlichkeit ihrer Leidenschaften vernetzen. Wir plaudern über unsere Leidenschaften, erzählen aus unserem Leben, schreiben von uns.

Bis 31. Mai soll diese Blogparade die Leidenschaften der Bloggerinnen und Blogger dokumentieren. Leidenschaft ist übrigens ein sehr vielseitiger Begriff – Briefmarken sammeln, Fußball, nächtliche Rollenspiele. Das alles ist berichtenswert. Abschließend werde ich die Blogparade hier zusammenfassen.

Wie geschrieben werden soll? Persönlich. Alles andere ist euch freigestellt. Texte, Videos, Fotos – Hauptsache leidenschaftlich. Einen Link auf diesen Blogeintrag in den Artikel packen, hier einen Kommentar hinterlassen, die Texte der anderen genießen.

Begleitet wird das Ganze von den Redakteuren des Magazins für Leidenschaft, blank5, die mich auch zu dieser Blogparade inspiriert haben. In dem Magazin, das von Studienkollegen von mir gestaltet wird, liest man in wenigen Wochen über die verschiedensten Blickwinkel auf das Thema Leidenschaft – eine Prosituierte wird sich über gekaufte Leidenschaft Gedanken machen, die generationsverbindende Leidenschaft zur Volksmusik (personifiziert in Andreas Gabalier) wird thematisiert und auch leidenschaftliche Grenzgänger werden ihren Platz finden.

Aber jetzt sind wir Blogger dran. Lasst uns schreiben. Lasst uns Leidenschaft teilen! Ich freue mich auf eure Texte!

Zusammengefasst:
- Du bist Blogger.
- Du hast eine Leidenschaft. (Sollte dieser Punkt nicht erfüllt werden können: Lebensstil hinterfragen.)
- Schreib einen Eintrag über deine größte Leidenschaft.
- Poste einen Kommentar unter diesen Artikel mit dem Link zu deinem Blogeintrag.
- Ich erstelle dann Ende Mai eine Zusammenfassung aller Beiträge.
- Und natürlich wird dein Blog auch hier verlinkt.

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Ich kann nicht gut singen. Kein bisschen. Ihr könnt all die Menschen fragen, die schon mal den Fehler begangen haben, in meiner Nähe ein Autoradio eingeschalten zu lassen (ProTipp: Immer an Orten singen, an denen dein Publikum nicht fliehen kann). Aber ich singe gern. Singen macht mich glücklich. Klar, das klingt oft schief und sicher nicht gut, aber meine Ohren sind anscheinend nicht für mein allgemeines Wohlbefinden verantwortlich und deshalb bereitet mir das vor-mich-hin-trällern doch Freude.

Ich mag die Momente, in denen abends man mit Freunden beisammensitzt, ein Lied hört und plötzlich gemeinsam mitsummt und -singt. Einfach so, aus Spaß. Es sind die Momente, an denen es sich wie früher am Lagerfeuer anfühlt. Da sang auch niemand gut, aber irgendjemand hatte eine Gitarre und konnte zumindest die Akkorde von “Wonderwall”, “Lemon Tree” und “Mad World”. Musikalisch eher trist, zugegebenermaßen.

Als ich dann gestern bei jetzt.de über einen Artikel mit dem Titel “Sie singen sich glücklich” stolperte, wurde ich hellhörig. In dem Artikel wird der Berliner Kneipenchor vorgestellt – eine Vereinigung von jungen, gesanglich mittelmäßig talentierten Menschen, die Spaß am gemeinsamen singen haben. Und die eben nicht klassische Chormusik, sondern modernes Zeug singen. Und damit treten sie mittlerweile erfolgreich in Berlin auf und werden zum Publikumsmagneten – mit Bier und Kippe in der Hand (während dem Singen, versteht sich von selbst).

Liebe Menschen in meinem Umfeld! Ich meine das tatsächlich Ernst. Wenn also noch jemand gerne seine Zeit singend verbringt: Melden!

Und da war er dann, der Gedanke: Sowas will ich auch. Nicht zwangsläufig mit Publikum und Auftritten und Pipapo. Aber eine Gruppe netter Menschen, mit denen man regelmäßig gemeinsam singt und Spaß hat – das klingt großartig!

Jetzt fehlt mir nur noch: Ein Chorleiter, ein Chor und Musik.

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Ich war wieder mal im Kino. Und dieser Abend war dann ein solcher, an dem man sich gegenseitig grinsend gegenübersitzt und meint: “Hach, davon werden wir noch unseren Enkelkindern erzählen”. Werden wir vermutlich nicht, aber an solchen Abend neigt man neige ich oft dazu, den Dramatisierungs-Regler etwas in die Höhe zu drehen. Das störte in diesem Fall niemanden, immerhin hatten die anderen schon ein bisschen Alkohol im Blut und mein Pathos-Anfall blieb nahezu unbemerkt.

Alkohol im Blut. Im Kino. Am späteren Nachmittag. Liebe Mama, falls du das hier jemals liest: Ich habe tolle Freunde. Sie sind nicht alkoholabhängig. Sie gehen sonst auch gerne mal nüchtern ins Kino. Aber: Die Kinobetreiber spendierten mehrere Runden Sekt.

Den Sekt gab’s, weil die Kinobetreiber schlechtes Gewissen hatten. Kurz zuvor haben sie nämlich statt des Kuschel-Krimis “Einmal ist keinmal” das Abenteuer “Zorn der Titanen 3D” über die Kinoleinwand flimmern lassen. Knappe Themenverfehlung. Besonders nettes Detail: Das kollektive irritierte Auflachen der Besucher beim Aufscheinen des “Bitte setzen Sie nun Ihre 3D-Brillen auf”-Bildschirms. Und der sarkastische Kommentar nach drei Minuten im falschen Film: “Naja, die Katherine Heigl hat ein bisserl zugelegt.” (Und, liebe Mama, falls du das hier jemals liest: Meine Freunde haben “Einmal wie keinmal” zum Film des Abends auserkoren. Ich bin unschuldig. Sie haben kein Alkoholproblem.)

Neuer Film, neuer Server. Und um diesen Server zu starten, dauert es eben 30 Minuten. Und die überbrückt man als Kinobetreiber am besten damit, dass man seinem Publikum kostenloses Popcorn, kostenlose Schankgetränke, kostenlose Süßigkeiten, kostenlosen Sekt und kostenlose Freikarten für den nächsten Kinobesuch austeilt. Und wenn der Kinochef seine Mitarbeiter noch dazu anweist, Witze zu erzählen, weißt du, dass der Abend an dieser Stelle seinen Gipfel erreicht hat.

Und so sollte es dann auch sein. Wären wir doch bei “Zorn der Titanen 3D” geblieben, dann hätten wir uns die 106 unerträglich seichten und schlichtweg missglückten “Einmal ist keinmal”-Filmminuten erspart. Apropos missglückt: Gratulation an diejenigen, die den Originaltitel “One for the money” mit “Einmal ist keinmal” übersetzten. Aber einmal ist in diesem Fall ja zum Glück wortwörtlich keinmal. Dem schlechten Gewissen der Kinobetreiber und den damit verbundenen Freikarten sei Dank.

Der Vollständigkeit wegen: Der Trailer zu dem Film, den ich absolut niemandem empfehle. Wirklich niemandem.

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Vorgestern in der Therme gewesen und ein neues Buch begonnen. “Lieber Mischa, du bist ein Jude” von Lena Gorelik. Knackiger Untertitel: “…der du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest, es tut mir so leid, diss ich dir das nicht ersparen konnte.”

Lieber Mischa...

Zugegebenermaßen: Dieses Buch kaufte ich wegen seinem Umschlag. Und wegen dem knackigen Titel. Ja, ich mache das manchmal so. Einfach in meine Lieblingsbuchhandlung (Schrieb ich schon mal, dass ich Buchhandlungen liebe? Dieses Buchhandlungs-Flair!) gegangen, die Neuerscheinungen begutachtet, “Lieber Mischa…” gesehen, kaum aussagekräftigen Klappentext gelesen, gekauft. Zuhause dann monatelang im Regal verstauben lassen und dann beim Einpacken für den Badeausflug neben die Badehose gepackt. Keine wirklich empfehlenswerte Methode, seinen Lesestoff auszusuchen, aber eine –  zumindest in diesem Fall - erfolgreiche.

Ein gutes Radio-Interview von BR2 mit Lena Gorelik gibt’s hier. Zeitaufwand: Rund 10 Minuten. Jede Sekunde wert.

In “Lieber Mischa, du bist ein Jude” schreibt Lena Gorelik einen 185 Seiten langen Brief an ihren Sohn, in dem sie ihm die Eigenheiten seiner Religion näher bringt. Sie erklärt ihm, warum die Top Ten der antisemitischen Vorurteile wahr sind, wie man seinen eigenen Weg im Umgang mit Religion und Glauben findet, warum Philosemiten eigentlich nerviger als Antisemiten sind und wer denn die zehn coolsten Juden der Welt sind.

“Und wovor genau haben sie Angst? Vor der Übernahme der Weltherrschaft? Ja, da sind wir ganz fleißig dabei. Wir sind sozusagen kurz davor, aber pst!, ich darf ja nicht so viel verraten.
Es wird Menschen geben, die behaupten, diese Schrift sei ein Ablenkungsversuch. Ablenkung von den wahren Tatsachen, von den jüdischen Plänen, vor der jüdischen Diktatur in der Welt. Diese Menschen haben recht. Wir haben uns nur noch nicht entschieden, wer unser Hitler sein soll.”

Außerdem stellt sie zehn Gebote für Gott auf (Juden dürfen den Namen Gott übrigens nicht ganz ausschreiben, da er zu heilig ist. Liest sich im Buch also so: G”tt. Wieder was gelernt.). Und das alles geschieht mit einer Leichtigkeit, dass es eine Freude ist. Es macht Spaß, wie Gorelik mit dieser nicht simplen Thematik spielt und sie anhand von Anekdoten erklärt. Sie spielt ebenso mit der Verklemmtheit und den Altlasten ihrer Leser und thematisiert humorvoll und augenzwinkernd die Vorurteile gegen das Judentum. Mich, thematisch eigentlich nicht übermäßig interessiert oder informiert, hat sie mit diesem Roman begeistert.

“Ich hätte gern das Fischbrötchen!” – “Das ist aber Salami!” – “Habe ich Sie gefragt, wie der Fisch heißt?”

Das Buch habe ich dann innerhalb von einem Tag ausgelesen. Und ich glaube, ich will es gleich noch einmal lesen. Und das passiert normalerweise nur alle heiligen Zeiten. Auf alle Fälle mochte ich das Buch. Sehr. Wenn ihr also in den nächsten Wochen nach Lesestoff sucht, seht dies als gutgemeinte Empfehlung an.

Für all diejenigen, die lieber Piktogramme lesen: ✭✭✭✭✫

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In den letzten Monaten beschäftigte ich mich intensiv mit dem Tod. Nach dem Kinobesuch von “Atmen” war mir klar, dass ich diesem Thema überhaupt nicht gewachsen bin. Ich war überfordert, weil ich bislang jegliche Konfrontation mit diesem Thema umgangen habe. Ich hatte und habe Angst vor dem Tod. Deswegen beschloss ich, einen Schritt auf diese Thematik zuzugehen. Ich schrieb eine Reportage über sogenannte stillgeborene Kinder.

Stillgeborene Kinder sind das, was der Volksmund als Totgeburten bezeichnet. Im Zuge einer Lehrveranstaltung musste ich eine Reportage zu einem frei wählbaren Thema schreiben. In meinem Fall war dies die Sammelbestattung von stillgeborenen Kindern, die einmal im Quartal in Graz und Judenburg stattfindet. Dort werden alle Stillgeborenen, die in einem Vierteljahr in der Steiermark verstarben, in einer Gemeinschaftsurne bestattet. Ich selbst nahm auch an dieser Trauerfeier teil.

Außerdem führte ich mehrstündige Gespräche mit einer betroffenen Mutter und einer Vertreterin der zuständigen Hospizplattform. Gespräche mit tränenbedingten Pausen, äußerst intensive Gespräche. Noch nie gingen mir Interviews so nahe.

Das aus meiner Sicht besonders Schlimme an Stillgeburten ist, dass sie so unerwartet kommen. Es stirbt nicht nur ein Ungeborenes, es stirbt die Zukunft. Das bereits eingerichtete Zimmer bleibt ungenutzt, die Schnuller müssen wieder weggeräumt werden. Das erste Lächeln des Kindes, das erste Wort, die ersten Schritte – nichts davon wird je geschehen.

Viele Stunden investierte ich in die Recherche für diese Reportage. Ich analysierte die Todesstatistiken, sprach mit einigen Menschen in meinem Umfeld über dieses Thema, versuchte mich der Thematik zu öffnen. So manche Nacht wurde dann eben nicht durchschlafen, sondern durchdacht. Das war okay so. Das war gut so. Das veränderte mich ein Stück weit.

Ich habe, so klischeehaft es auch klingen mag, mittlerweile eine “Scheiß dich nix, lass keine Chance aus und mach das, was dich glücklich macht”-Mentalität entwickelt. Das ist dann wohl meine Reaktion auf die Beschäftigung mit dem Tod. Gut, dass ich meinen persönlichen Wohlfühlbereich verlassen habe und mich mit dem Tod beschäftigt habe. Gut für mich.

Nach einiger Arbeit entstand ein Text, der wohl zum Besten gehört, das ich jemals geschrieben habe. Vermutlich ist er überhaupt der beste Text, den ich bislang verfasst habe. Der Text liegt nun in unterschiedlichen Redaktionen auf und wartet auf einen mutigen Chefredakteur, der sich an dieses Thema heranwagt. Ich werde diesem mutigen Chefredakteur dann dankbar sein – weil ich finde, dass diesem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Und weil ich glaube, dass dieser Text von mehreren Menschen gelesen werden sollte. Weil er Menschen nachdenken lässt. Über den Tod.

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Drucker

09.02.2012, Nikon D90, Lendloft Graz.

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Hauptbahnhof Graz, 09.02.2012, 00:02 Uhr.
Samsung Galaxy Ace

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